17. April 2014

Slow Dating – nicht nur für Frauen

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In einer Welt rasant zunehmender Geschwindigkeit ist es geradezu erholsam, mal wieder in den slow-Modus zu schalten. Diese wertvolle Erfahrung hat eine Reihe von Damen in mehreren Regionalgruppen von FIM- Vereinigung für Frauen im Management e.V. gemacht.

Jeder kennt Speed-Dating. Nach Stoppuhr miteinander in Kontakt zu kommen und nach Stoppuhr diesen Kontakt abrupt abbrechen zu müssen.

Gerade das wollten wir Frauen nicht! Wir wollten netzwerken und uns wirklich näher kennenlernen.

Das „speed“ haben wir einfach umgedreht und daraus ein „slow“ gemacht. Und da wir schon mal beim Umdrehen waren, haben wir dieses Prinzip gleich noch zweimal angewandt.

Beim Speed-Dating zählt jede von sich ein, zwei, drei Themen auf, was sie gut kann, was sie zu bieten hat. Schön zu wissen, aber brauchen kann ihr Gegenüber meist davon nicht wirklich etwas.

So haben wir das „Das habe ich zu bieten“ umgewandelt in ein „Das suche ich, das hätte ich gerne, das könnte ich brauchen!“

Für Frauen schon eine ziemliche Herausforderung, denn so direkt und fordernd sind die selten. Sie sind eher Meisterinnen im Geben, das Nehmen kommt dabei häufig zu kurz. Männer fordern mehr ein, was sie wollen: „ Frau Häuser, Sie haben doch einen guten Kontakt zu X. Können Sie mich da mal reinbringen? Aber nicht irgendwo, sondern bitte auf der obersten Ebene.“

Die erste, aber nur gedankliche Reaktion: „Wie unverschämt ist das denn? Ich bau mir da über Jahre diesen Kontakt auf …“

Warum eigentlich nicht? Sollten wir Frauen uns diese fordernde Art nicht auch aneignen, um konkrete Unterstützung bitten? Na, nicht so vehement fordernd. Das können Frauen durchaus mit Stil und Wertschätzung. Somit war das unsere dritte Umkehrung.

Wir übten uns an dem Abend nicht im Fordern, aber durchaus im Nehmen – und nicht theoretisch, sondern sehr praktisch. Nicht im Zweiergespräch, sondern innerhalb der gesamten Gruppe.

Und wir nahmen uns noch etwas! Zeit!!!

Jeder Teilnehmerin hatte sich vorher überlegt: Was könnte ich mitnehmen wollen? Was suche ich gerade? Einen neuen Job, vielleicht sogar Sinn, in dem was ich tue, bestimmte Kontakte, Ideen, Geld (fast alles ist erlaubt).

Wir konnten aus unserem breiten Erfahrungs- und Lebensschatz das finden, was wirklich gerade gebraucht, gesucht wurde. Und die kurz vorher Bereicherte hat das wiederum honoriert: mit eigenen Ideen, Offenheit, viel Interesse, mit der Vermittlung von wertvollen Kontakten.

Ein wesentlicher (gefühlter) „Nebeneffekt“: Es gab noch nie vorher so viel Öffnung und so viel Nähe.

Und für die, die jetzt zu dem Schluss kommen, das sei doch eine wenig öffnende, eine eher distanzierende Männer-Frauen-Darstellung und Haltung: Das wäre dann ein nicht gewünschter Nebeneffekt.

Ich will „Männer sind …“ und „Frauen sind…“ eher als Hypothesen verstanden wissen, nicht als Wahrheit. Und mit diesen Hypothesen haben wir sehr erfolgreich gearbeitet.

 

03. April 2014

Resonanz – raus aus dem Sparmodus

Resonanzkörper

Die Resonanz, die ich meine, beginnt mit einem „Guten Morgen“ auf dem Flur. Egal, ob man sich kennt oder nicht. Denn dieses „Guten Morgen“ kommt garantiert zurück. Es resoniert – mit Freundlichkeit, mit oder ohne Lächeln, mit dem Namen oder ohne, vielleicht positiv überrascht und eigentlich immer erfreut.

Wenn dieses Ritual nicht mehr gepflegt wird, muss einer wieder damit anfangen.

„Das sind im Unternehmenskontext doch Peanuts, ob man grüßt oder nicht. Die Zeit kann man sich doch nun wirklich sparen.“

Aber genau das könnte ein kurzer, wertvoller Moment der Entschleunigung sein, ein Moment im Hier und Jetzt – und vor allem einer der echten Zuwendung!

Und apropos sparen: „Was sparen wir uns denn noch alles?“

Zum Beispiel das „Danke!“. Da reisst ein Mitarbeiter sich in einem zusätzlichen, eng getakteten Projekt ein Bein aus, bekommt seinen Part so eben noch hin, erschöpft aber mit einer ziemlichen Erleichterung, es mal wieder knapp geschafft zu haben …

Und was kommt dann? Nichts mehr. Funkstille!

Selten, weil es böse gemeint ist. Nein, weil die meisten selber derart unter Druck stehen, dass sie es einfach vergessen. Egal, ob das Projekt dann doch nicht kommt, die Arbeit umsonst war … einfach ein aufrichtiges und ehrliches: „Danke!“    

Oder … da wuppt die gesamte Mannschaft in kürzester Zeit eine Fusion, zumindest den Part, der am Anfang entscheidend ist. Einer der Vorstände tritt vor die Führungsriege und betont ausschließlich und eindringlich, dass die Fusion noch längst nicht auf sicheren Beinen steht, dass noch viel getan werden muss … und und und. Der zweite Vorstand geht ans Mikrofon und sagt erst mal nur eines: „Danke!“ Vielleicht hebt er eine paar Dinge nochmals hervor, vielleicht muss er das aber gar nicht.

Natürlich ist das nicht alles, bedeutet Resonanz nicht nur „Gut, dass wir gegrüßt oder uns gegenseitig gedankt haben“. Das ist nur der allererste Ton auf der Geige. Das ist noch lange keine Melodie, geschweige denn eine Komposition.

Resonanz ist die Voraussetzung für Dialog. Dialog ist mehr als der Austausch von Nachrichten. Dialog bedeutet Auseinandersetzung im positiven Sinne, für diese kurze Zeit Teil einer gemeinsamen Sache zu sein.

Empfehlung zur Selbstprüfung: „Mit wem kommuniziere ich – und bei wem verspüre ich wirklich Resonanz? Was tue ich aktiv, wo übernehme ich Verantwortung, so dass die Schwingung in Gang kommt, dass Kommunikation eben kein Ping-Pong ist, bei dem das erste Pong schon fehlt, weil der Tischtennisball die Platte nicht trifft. Aber Hauptsache der Ball ist erst mal weg, Hauptsache ich bin ihn los. Egal ob der andere ihn dann aufhebt und weiterspielt.“

Wir Menschen brauchen heute mehr denn je wieder Resonanz – Kommunikation reicht nicht.