12. Juni 2014

Optimierung contra Höchstleistung

Ausgezeichnet

Maschinen können optimiert werden. Menschen erbringen Höchstleistung. Das ist etwas grundsätzlich anderes.

Optimierung kann zur Höchstleistung beitragen. Steht die Optimierung hingegen an erster Stelle, steht sie nicht selten menschlicher Höchstleistung im Weg.

Unternehmen, die in die Krise geraten, reagieren häufig mit Optimieren. Da werden nach kostensparenden Umstrukturierungen aufwendig ausgedachte Formulare zur Klärung von Sachverhalten hin und hergeschickt, statt einfach wie bisher den Hörer in die Hand zu nehmen, anzurufen und das in zwei Minuten zu klären.

Aus diesem absurden System auszubrechen, wäre bereits die erste Höchstleistung. Und  die braucht nur den gesunden Menschenverstand.

Ich „liebe“ Hotlines, in der ich erst mal viele Einordnungsfragen beantworten, mich mit einer befremdlich digitalisierten Stimme „unterhalten“ muss, die mir mehrmals erklärt, dass sie mich nicht verstanden hat und ich mein Anliegen doch wiederholen möge. Bis sie mir am Schluss eines längeren Procederes erklärt, dass zur Zeit alle Mitarbeiter im Gespräch sind und ich es doch später nochmals versuchen soll. Damit sich dann mit der gleichen überflüssigen Prozedur eine Wiederholungsschleife an die nächste reiht.

Das ist Optimierung! Aber Optimierung für wen? Für das Unternehmen – niemals für den Kunden. Und wer bezahlt die? Denn mir als Kunde wird diese Zeit gestohlen, ein echter interessierter Kontakt verweigert. Ein persönliches Gespräch, ist das, was ich eigentlich will  – und für mein Problem auch zwingend brauche.

Es ist eine Frage der Haltung und der Entscheidung: „Was wollen wir? Optimierung oder Höchstleistung?“ Das eine schließt das andere nicht aus. Aber die Reihenfolge muss festgelegt werden. Was hat Priorität, was kommt zuerst?

Menschen machen Unternehmen aus, nicht Maschinen. Höchstleistung bedeutet: „Ich gebe mein Bestes“. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Vorausgesetzt, ich bin genau an der Position, in dem Job, um überhaupt entsprechend meiner Stärken Bestleistung erbringen zu können – egal ob Sekretärin, die Dame in der Hotline oder der Mann am Band. Denn Höchstleistungen erbringen alle, nicht nur das Top-Management, Schlüsselpersonen und die hochgepriesenen High Potentials.

Es lohnt sich folgende Perspektive wieder aufzufrischen:

Höchstleistung lässt sich übertreffen, sie reicht über 100% hinaus. Da kommt Optimierung an seine selbstgesteckten Grenzen.

Höchstleistung verlangt nach einem tieferen persönlichen Sinn. Optimierung dient nur der Optimierung selbst, allein dem Optimum.

Höchstleistung braucht die Emotion, das ist der Zündstoff. Am Ende einer Etappe steht so etwas wie Stolz. Optimierung kommt ohne aus.

Vor allem aber müssen wir uns wieder bewusst werden, dass wir Gemeinschaften sind, nicht Organisationen. Damit wir rauskommen aus der reinen Ding-Sicht, wieder hin zu mehr Beziehungen.