11. September 2014

Ein STOPP … eins für mich und eins für dich!

stop-wueste

Nie war die Methode so wertvoll wie heute. Der Gedanken-Stopp zählt seit 50 Jahren zu den klassischen Mentaltechniken. Es geht darum, einen ablenkenden – und noch viel entscheidender einen uns komplett einnehmenden – Gedanken zu unterbrechen, ihn zu stoppen. Das braucht Übung und Konsequenz, denn diese Gedanken sind verdammt hartnäckig und widerspenstig.

Relativ einfach klappt das noch, wenn ich beim Schreiben des Blog-Beitrags gedanklich an meinen Urlaubsort der kommenden Woche abschweife. Der Blog muss raus, keine Zeit für Urlaubsträume. Also: STOPP! Und sofort zurück zum Text. Hartnäckiger können die Bilder des letzten Urlaubs sein, da bereits erlebt. Dann halt mehrmals: STOPP!

Was aber, wenn ganz andere Filme ins Rollen kommen? Dramen! Ein Termin mit einem Neukunden und dann erscheint der nicht pünktlich. Schon geht das im Kopf los. „Nicht schon wieder ein potentieller Kunde, der den Termin vergessen hat. Oder wie der letztens, der gar nicht erschien und von dem ich anschließend nie wieder gehört habe. Ich hasse das, wenn Termine noch nicht mal abgesagt werden, ich jetzt hier umsonst sitze und warte …“ Bis es klingelt, Frau x sich entschuldigt, es gab einen Unfall und sie hat Erste Hilfe geleistet – oder Herr Z stand im Stau … oder was auch immer.

Sobald sich die erste Szene eines solchen fiktiven Schauspiels einschleicht: STOPP!!! Und wenn der Film sich selber ermächtigt weiterzulaufen, wieder ein STOPP! Wer entscheidet? Das Gehirn da oben, weil es meint aus der Vergangenheit den passenden Film parat haben zu müssen. STOPP! „Der bleibt mal schön im Archiv! Den will ich jetzt nicht sehen!“

Anschließend langsam durch die Nase einatmen und bis 4 zählen … Atem anhalten und wieder bis 4 zählen … langsam durch den Mund ausatmen und dabei bis 8 zählen … den Atem anhalten und bis 4 zählen. Und wieder von vorne!

Und danach? Erst mal ein gutes Standbild setzen: „Der Kunde kommt gleich und erzählt von einem nicht absehbaren Stau, dass es ihm sehr leid tut, nicht seine Art ist. Oder die Kundin wird gleich berichten, dass sie gerade noch eine gute Tat vollbringen musste!“

Nach 20 Minuten – je nach eigenem Typ früher oder später – einfach anrufen und fragen. Dazwischen sich auf das konzentrieren, was eben auch noch getan werden muss.

Und noch eine Stufe schlimmer: Der Liebste oder die Kinder kommen zu spät nach Hause, was gar nicht ihre Art ist. Und schon läuft der Katastrophenfilm. Auch hier: STOPP! Und wenn Sie 30-mal hintereinander ein STOPP setzen müssen!

Es geht nicht darum zu verdrängen. Aber wie oft zwingt unser Gehirn uns Gedanken auf, die uns nicht gut tun, die uns daran hindern, in dem Moment Leistung zu erbringen, einfach für schlechte Laune sorgen, die uns einen Teil unserer Lebenszeit kosten?

Und das meistens unberechtigt, quasi umsonst, aber mit hohen persönlichen Kosten verbunden. Denn 99% der Horrorvorstellungen geschehen doch nie. 30 % der Gedanken drehen sich um Geschichten aus der Vergangenheit, die nicht mehr zu ändern sind. Mindestens 20% sind nicht wirklich wichtige Nebensächlichkeiten.

Und manchmal hilft auch, wenn ein anderer laut „STOPP“ sagt, wenn wir uns gerade in Rage reden. Das verlangt allerdings viel Wertschätzung und eine klare Vereinbarung, das tun zu dürfen – und es darf nicht missbraucht werden. Kein: „STOPP – ich will auch mal etwas sagen“.