23. Oktober 2014

Mit Sicherheit nicht Resilienz!

radikal-denken

Resilienz erfährt gerade einen absoluten Hype, die Super-Lösung für Überbelastung, Druck, Burnout. Jedes Stresstraining wird jetzt umbenannt in Resilienztraining. Das will jeder, kann jeder, macht jeder!

Denkt denn heute niemand mehr nach?

Es gibt viele Varianten von altem Wein in neuen Schläuchen, aber das schlägt dem Fass den Boden aus.

Denn Resilienz wurde ursprünglich bei Kindern beobachtet, die unter extremen familiären Umständen groß geworden sind, an denen andere Kinder zerbrochen wären und sind. Die Resilienzforschung beschäftigt sich mit Menschen, die das KZ überlebt haben.

Und dann findet man ständig solche Aussagen: „Resilienz ist eine persönliche Fähigkeit mit Rückschlägen oder Drucksituationen positiv umzugehen und sogar gestärkt daraus hervor zugehen.“ Beinhaltet das jetzt: „Rückblickend kannst du froh sein, dass du in eine solche Familie hineingeboren wurdest, denn letztendlich hat dich das gestärkt?“ Übertragen auf das KZ möchte ich die Botschaft jetzt gar nicht ausformulieren.

„War doch alles gar nicht so schlimm, du hast jetzt etwas, was du heute gut nutzen kannst!“ oder „Was dich nicht umbringt, macht dich stark!“

Selbst, wenn ich mal runterkomme von meiner Empörung, die ich mir bei diesem Hintergrund erlaube, wird es auch nicht entscheidend besser.  Wenn man unabhängig der Historie diesen Begriff mit Widerstandsfähigkeit übersetzt, bleibt es immer noch ein mehr als fraglicher Ansatz.

„Resilienz“ sollen die Mitarbeiter nun entwickeln. Ist das sinnvoll gedacht? Bevor wir aus Mitarbeitern Stehaufmännchen machen, könnten wir hinschauen und dafür sorgen, dass sie gar nicht erst fallen!

Es geht in der heutigen Herausforderung nicht um Widerstand gegen etwas, sondern schlicht und einfach um persönliche und unternehmerische Stärke. Es ist keine Lösung, Menschen kurz vor dem Ertrinken in Arbeit, Stress und Belastung die Muskeln zu trainieren, um den Kopf über Wasser halten zu können – statt endlich zu beginnen, den Wasserstand zu senken.

Dann braucht auch kein Mensch Widerstandskraft – Stärke sehr wohl.

Und dann können wir darüber reden, wie Menschen Stärke entwickeln können, um die heutigen Herausforderungen noch zu meistern. Und wie sie ihre bereits vorhandenen Stärken wieder hervorholen können.

Grundsätzliche Stärke! Nicht wie bei der Resilienz, erst mal Opfer gewesen zu sein. 

02. Oktober 2014

The War For Talents – der Schuss geht nach hinten los

War of Talents

Das suggeriert doch Krieg – oder? Der Kampf um die Besten!

Ist die allseits verbreitete Kriegsmetapher eine unbedachte, unreflektierte Übernahme einer Redewendung – oder ist es mehr, doch die Spiegelung einer Haltung? Ein klarer Ausdruck, aus all den Beschäftigten nur das Maximum herausholen zu wollen?

Wenn ein Einzelner als Ressource oder als Humankapital gesehen wird, als Träger allgemein brauchbarer Fähigkeiten und Eigenschaften, dann geht es nicht um den Menschen, sondern um das, was er hat, solange er das noch hat. Um seine Talente – als Ressource verwertbar! Die für ihn Zuständigen heißen ja auch Human Ressource Manager, nicht Persönlichkeitsentwickler.

Leben wir inzwischen nur noch in einer Welt von Ressourcen – und somit in einer entfremdeten Welt? „Alles gar nicht so gemeint, sind nur Begrifflichkeiten. Das, was dahinter steckt, sieht ja viel humaner aus!“

Was ist überhaupt ein sogenanntes Top-Talent, das mit dem höchsten Wert? Was macht ein Talent zu einem noch größeren, dem „Top“?

Zumindest braucht solch ein Top-Talent doch auch eine Passung, ein Top-Unternehmen mit genau solch einer Top-Stelle in einem Top-Umfeld, mit sonstigen Top-Rahmenbedingungen. Denn derjenige, der da kommt, kommt eben nicht erlegt oder erschossen. Er oder sie kommt freiwillig.

Und ist es dann überhaupt noch Krieg oder Kampf, wenn der von sich aus entscheidet, wo er hingeht?

Was sagt ein Unternehmen mit diesem Sprach-Jargon über all die anderen Mitarbeiter und Führungskräfte im Unternehmen aus? Talente sind leistungs- und potenzialstarke Mitarbeiter! Und alle anderen sind das nicht, leider nicht mit Talenten gesegnet. Sind alle anderen leistungsschwach oder zumindest potentialschwach? Aus die Maus! 

Die wirklichen High-Potentials unter den Unternehmen sind die mit folgender Haltung: Bei uns ist/hat jeder ein Talent, jeder auf seine Art und auf seiner Stelle. Wir werden das vorhandene Potential eines jeden weiterentwickeln, weil jeder es wert ist – um das in eine unternehmerische Gemeinschaft mit einbringen zu können, als Mitgestalter in einem gemeinsamen Sinnzusammenhang.

Auch eine Haltung! Krieg macht nie Sinn, hat noch nie und wird nie! Denn Sinnzusammenhänge entstehen nicht in Konkurrenzkämpfen, mit Sieg und Niederlage. Die entstehen im gemeinsamen Wirken, sich ergänzen, sich verstärken – FÜR etwas.

Die echten High-Potentials unter den Bewerbern werden sich zukünftig genau die Unternehmen suchen, die so denken, fühlen und handeln. Ein wirklich Talentierter wächst in einem ebenso talentierten Umfeld, mit Wertschätzung für jeden auf jeder Position, der oder die dort eine richtig gute Leistung erbringt.

Wenn es dem „Hochtalentierten“ allerdings darum geht, durchweg den Unterschied zu spüren: „Wow, hier ragst du aber richtig heraus, ich als High-Potential, da stehst du weit drüber“dann sollte er in genau diesen Krieg ziehen.