04. April 2015

Du musst dich gar nicht verändern …

Kolibri

Ein Changeprozess jagt den nächsten. Wir leben in Zeiten dauernder Zwangsveränderung. Wahrscheinlich war die Notwendigkeit, sich verändern zu müssen, noch nie anders. Die Geschwindigkeit und die Dynamik haben sich im Laufe der Jahre verändert – und die Komplexität hat sich erhöht.

Aber die Menschen sind grundsätzlich die gleichen geblieben. Und die Erfahrungen zeigen, dass die meisten Menschen sehr schnell in den Widerstand gehen, wenn es darum geht, sich verändern zu müssen. Oder es an sich abprallen lassen, der letzte Changeprozess ist an uns vorüber gegangen, der nächste wird auch an uns vorübergehen.

Die Aufforderung zur Veränderung enthält aber auch immer die indirekte Botschaft: „So, wie es gerade ist, wie du gerade bist, reicht es nicht!“ Die dauernde Forderung nach Veränderung wertschätzt in keinster Weise, was bisher erreicht wurde, es geht immer um das, wo es noch nicht reicht, wo noch etwas fehlt, richtet sich auf den Mangel, statt auf die bereits gelebten Stärken.

Und genau das schwächt. Es gibt Unternehmen, die reden nicht darüber, dass sie sich verändern, dass sich ihre Mitarbeiter verändern müssen. Die reden über Weiterentwicklung. Das ist vom angestrebten Ergebnis das gleiche. Nur hat diese Aussage viel mehr mit Wertschätzung, mit viel mehr Einfühlung, mit mehr Wahrnehmung und Reflexion zu tun. Und genau diese Unternehmen erreichen diese Weiterentwicklung, ihre meist noch höher gesteckten Ziele – und zwar kontinuierlich.

„Nachdem der Umstrukturierungsprozess nun abgeschlossen ist, steht Unternehmen X vor der Herausforderung, dass auch die Menschen sich nun ändern.“ Und dann folgt wenig später schon die  nächste Erwartung, denn auch die Kultur soll sich ändern.

Treten Sie mal an Frankreich heran und geben Sie den Franzosen vor, deren Kultur muss sich jetzt aber ändern, den neuen Gegebenheiten anpassen. Da mag der eine oder andere doch ins Schmunzeln kommen. Vielleicht sind die Franzosen, wie sie sind, wenn man das pauschal überhaupt so sagen kann. Und was für eine ganze Nation gilt, trifft vielleicht auch für die Mitarbeiter eines Unternehmens zu.  Dem einen oder anderen fällt ein, dass gerade die Kultur der Franzosen, wie bei allen anderen Kulturen auch, das ist, was man so mag – wenn auch nicht in der direkten Zusammenarbeit, aber zumindest im Urlaub. Und auch Kulturen verändern sich – oder besser: sie entwickeln sich.

Es gibt Unternehmen, deren Botschaft an die Mitarbeiter lautet anders: „Ihr könnt so bleiben, wie ihr seid! Denn ihr seid gut! Die klare Herausforderung, die jetzt für uns alle ansteht, habt ihr mit Sicherheit in der Vergangenheit schon mal in ähnlicher Weise beruflich, vielleicht auch privat erfolgreich gelöst. Und wir unterstützen euch dabei, dass ihr genau diese bereits vorhandene Stärke und Erfahrung, die wir aktuell brauchen, wieder zur Verfügung habt.“

Und genau das hat dann wirklich Veränderung zur Folge, mit dem klaren Fokus und dem Gefühl: Ich schaff das und niemand will mich verändern!“ Und Spaß macht es auch noch.

Menschen ändern sich nicht! Warum sollten sie auch? Aber Menschen entwickeln sich. Und das sehr gerne!

Wir können aus unseren bewussten und unbewussten Gewohnheitsmustern heraustreten – und in aller Freiheit eine neue Antwort wählen.