13. Juli 2016

Eine Kultur nur der Besten

Jeder Einzelne zählt

Wir haben bei der Auswahl der Studenten einer Privatuniversität häufig diskutiert, was passiert, wenn man nur die nimmt, die in der Schule bereits Klassensprecher/Schulsprecher waren. Weil genau das für Engagement, eigene Initiative, für Führungswille steht. An dieser sehr speziellen UNI geht es noch nicht mal um die mit den besten Noten. Egal, eine Uni ist und bleibt nun mal ein Karriere-Sprungbrett. Natürlich kann man auch da von Kultur sprechen, aber es ist keine dauerhafte Gemeinschaft mit einem gemeinsamen Ziel, alle ziehen mit Blick auf seine eigenen Ziele mehr oder weniger am selben Strang. Bis zum Abschluss.

Ich stellte letzte Woche einer HR-Mangerin – in einem großen Konzerns verantwortlich für das Employer Branding und Recruiting – die Frage, wie sie dort mit der Generation Y umgehen, die nicht mehr 16 Stunden am Tag arbeiten, sondern das Leben auch noch genießen wollen. Darauf antwortete sie: „Wissen Sie was, die haben wir gar nicht, zumindest nicht auf Manager-/Führungsebene. Wir stellen als zukünftige Manager nur die mit Einser-Abschlüssen an den besten internationalen Universitäten ein. Und die bekommen wir auch.“ Und im gleichen Atemzug und mit viel bedauern sagte sie dann: Ja, die Kultur würde sich schon seit Jahren extrem verändern. Es gäbe im gesamten Konzern keine echte Gemeinschaft mehr – wie es sie früher mal gab.

Wie sollen auch diese Superstars mit anderen Superstars konstruktiv zusammenzuarbeiten, sich ergänzen, sich gegenseitig unterstützen? Wollen die nicht, glauben die als Bester auch nicht zu brauchen. Machtkämpfe, Eitelkeiten, einsame Entscheidungen sind die Folge. Können diese Stars ein Team führen, das sich weit unter ihrem Intellekt unter ihren Fähigkeiten bewegt. Warum sollten sie? Zählt der andere überhaupt? Die bringen einfach herausragende Fähigkeiten mit, können täglich 16 Stunden eine Topleistung abliefern, weil es wirklich Überflieger sind. Nur der Rest der Mannschaft fliegt um einiges tiefer oder bewegt sich eben nur am Boden. Aber das auch verdammt gut, weil er vorankommt.

Eines ist klar, exzellente Führungskräfte werden diese „Besten“ nicht. Denn exzellente Führungskräfte sind heute die, die eine Unternehmenskultur prägen, Gemeinschaft fördern, die Nähe auch zulassen, den Mitarbeiter mit all seinen Stärken (nicht seinen Schwächen) in der Vordergrund stellen, Verantwortung übertragen, ihn oder sie auch machen lassen, ihnen gegenüber Anerkennung zum Ausdruck bringen.

Das führt zu einer Kultur der Besten! Und das stärkt gerade die mittelständischen Unternehmen, für die sich die Überflieger eh nicht interessieren. Das macht sie erfolgreich: Die Gemeinschaft und die Wertschätzung der Mitarbeiter. Denn dann erbringt er oder sie auch Spitzenleistung. Nur dessen müssen sich viele Mittelständler wieder bewusst werden. Jeder Einzelne bei uns zählt, der braucht keine aufwendige Motivation, er will einfach als Individuum gesehen werden – und das als Teil einer unternehmerischen Familie – und das nicht nur in Familienunternehmen.

Nostalgie??? – Nein, das ist die Zukunft!