19. März 2018

Mental zur Goldmedaille – oder im Kopf scheitern

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Kein Höchstleistungssportler muss beim Biathlon mehrfach danebenschießen. Auch nicht oder gerade nicht bei Olympia. Das plötzliche Scheitern passiert allein im Kopf. So lauteten auch die Kommentare: „Ich war nicht mehr konzentriert. Ich bekam die Fehlschüsse nicht aus dem Kopf.“

Es ist erstaunlich, wie selten Hochleistungssportler professionell mental vorbereitet werden.

Auch die Manager/Trainer der Bundesligavereine reden über mentale Schwächen ihrer Mannschaft. Tun dann aber nichts, um den Einzelnen zu stärken. Ganz im Gegenteil, all das öffentliche Niedermachen macht die Spieler mental noch schwächer.

Kein Trainer erkennt die körperlichen Defizite seiner Mannschaft, spricht sie an und glaubt, es wird dann automatisch besser. Wenn die Ausdauer nicht stimmt, die körperliche Kraft nach 60 Minuten flöten geht, die Spieler zu langsam sind, die Pässe nicht ankommen, dann reicht es auch nicht darüber gesprochen zu haben. Dann gibt es körperliche Trainingseinheiten extra.

Warum dann aber kein mentales Training, wenn es dort oben hakt? Der Kopf regelt das von alleine, wenn man es ihm klar gesagt hat? Ja, denkste!

Anhand der Körpersprache vieler Spieler nach dem Gegentreffer, dem Rückstand, sieht man: Der Kopf arbeitet ab jetzt in die falsche Richtung. Mental vom Platz gegangen.

Bei den olympischen Spielen fahren unsere Sportler die besten Hightech-Schlitten, haben die hochwertigsten Materialien bei den Skiern. Aber der Kopf der Athleten darf machen, was er will? Vom Unterbewusstsein negativ gesteuert.

Wir sind in den Situationen abhängig vom Unterbewusstsein, der eine mehr, der andere weniger. Nur wohin das Unterbewusstsein uns führt, zum Treffer oder dem Schuss daneben, das haben wir selber in der Hand.

Denn wir können uns relativ einfach programmieren – nicht mehr in dem Moment, sondern vorher. Und dieses Programmieren ist weder anrüchig, noch unmenschlich, nichts Technisches. Wir programmieren uns eh täglich selbst, indem wir unsere Aufmerksamkeit gezielt entweder in die eine oder die andere Richtung lenken.

Jeder Biathlet kann nach dem ersten Fehlschuss entweder seinem Unterbewusstsein freien Lauf lassen: „Das war es, jetzt bloß nicht die anderen auch daneben schießen.“ Oder er ruft sofort eine bereits durchlebte Situation ab, in der er nach dem ersten Fehlschuss, dann alle weiteren Scheiben getroffen hat. „Ja, ich kann doch treffen!“ Der Kopf gibt das Ergebnis vor!

Für die Vorbereitung braucht es die klare Zielsetzung (20 Treffer), eine hohe Achtsamkeit, ein absolutes bei sich sein, die anderen interessieren nicht – und einen starken Willen.

Das Angestrebte wird emotional positiv aufgeladen und im Unterbewusstsein als Zukunftsbild abgelegt. Und dann loslassen.

Das kann man trainieren. Und mentales Training greift nicht nur bei Sportlern, sondern bei jedem, der darauf angewiesen ist, dass es in dem entscheidenden Punkt läuft und alles punktgenau sitzt. Immer vorausgesetzt, er hat es grundsätzlich drauf!